Das Steinzeitprojekt erregte auch das Interesse der lokalen Presse.

 

 

Leben wie in der Steinzeit

Besonderer Projekttag an der Volksschule Hochzoll-Süd

Im Ortsteil Hochzoll wurde ein Steinzeitlager entdeckt. Auf dem Platz in der Höfatsstraße befindet sich hinter einer Hecke eine mehrstöckige rötliche Höhle. Die Bewohner der frühzeitlichen Siedlung, ein Stamm von Fünft- und Sechstklässlern, mit Eltern und Lehrern, erkennt man an der mit Fellen besetzten Kleidung aus braunem Rupfen.

Auf den ersten Blick scheint der Stamm kriegerisch zu sein, denn bevor man die Haupthöhle, das Schulgebäude, erreicht, ist eine Vorhöhle zu passieren. In ihr stellen stellen bedrohlich aussehende kleine Steinzeitmenschen Speere her. Zwar tragen sie keine prähistorischen Namen, sondern heißen Matthias, Marcel, Dominik und Fabio und gehen normalerweise in die Volksschule Hochzoll-Süd. Doch heute feilen sie an einem Tisch, wie in der Steinzeit, Specksteine zu Speerspitzen.

Extra frei genommen

"Da verhunger' ich ja bis ich etwas fangen kann", stellt der kleine Marcel fest. Vater Josef Lukitsch, der sich extra für diesen Tag von der Arbeit frei genommen hat, und Lehrer Franz-Josef Dorsch befestigen die Spitzen mit Binden an Holzstecken. Nur das dazu verwendete Harzimitat, das Spitze und Binde festkleben sollen, kommt aus der Tube.

"Für die Kinder ist der Steinzeittag ein Erlebnis", so Schulleiterin Helga Nußbaumer. "Vor zwei Jahren führten wir den Tag erstmals am Kuhsee durch. Diesmal spielt das Wetter nicht mit." Das Fach Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde (GSE) gibt es an den bayerischen Volksschulen seit zwei Jahren. In diesem Unterricht können fächerübergreifende Projekte durchgeführt werden, in denen die Schüler nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern Techniken und Lebensformen nachspielen.

Den Thema Steinzeit näherte man sich im Unterricht seit einigen Wochen. "Steinzeit wird unter geschichtlichem Aspekt gesehen, als Zeitepoche vor einigen tausend Jahren. In Erdkunde bespricht man die Lebensformen von damals. Sozialkunde schaut auf das Leben der Menschen in der Gemeinschaft." Festgehalten wurde alles in einer Steinzeitmappe. Der Tag bildet nun den Abschluss.

Auf dem Weg zur Haupthöhle sieht man pausierende Steinzeitmenschen, die Tee trinken und selbstgebackenes Steinzeitbrot essen. Vor dem Eingang grillen Schüler Äpfel. Drinnen mahlen sie auf einem Stein Roggen und machen Brot. Manche stellen Schmuck aus Steinen, Muscheln und Federn her. Andere spinnen Schafwolle und versuchen damit zu stricken. Das Horn von Lehrerin Gertrud Schwoshuber tönt. Der ganze Stamm kommt in der Aula zusammen, denn nun gehts ab zum Essen rund um das Lagerfeuer.

 
 
aus: Augsburger Allgemeine vom 30.10.1998